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Geständnis eines Aquarioten: Ich bin Crusta-positiv!
Wie alles begann…….
Im Jahre 1964 gaben die Eltern des Patienten dessen stetem Drängen nach und er bekam zu seinem 10. Geburtstag sein erstes Aquarium. Der Grundstein der Infektion war gelegt. Es kam
was kommen musste, und was viele von Euch kennen: es blieb nicht bei dem einen Becken. Durch die erfolgreiche Nachzucht von Lebendgebärenden konnte nach und nach das Hobby auf eine breitere Basis
gestellt werden. Das Verhängnis nahm seinen Lauf, als die ersten Eheim-Außenfilter und mit Silikon verfugten Becken zur Verfügung standen. Sogar funktionierende Heizer und Neonröhren gab es auf
einmal.
Auf diesem Nährboden nistete sich Crusta infectus unbemerkt ein und beobachtete, wie der Patient Salmler, Lebendgebärende und Diskus pflegte und vermehrte.
Doch nach 15 Jahren wäre fast das AUS für den robusten Virus gekommen. Sein bis dahin so Erfolg versprechender Wirt schaffte seine Aquarien ab und widmete sich dem beruflichen
Fortkommen und der Familiengründung. Seine damalige Frau war immun gegen Crusta infectus, ja dort waren sogar handfeste Antikörper vorhanden.
Doch Crusta infectus ließ nicht nach. Dieser hyperaktive und unstete Virus schaffte es, in den Gartenteichen, zu deren Bau er seinen Wirt trieb, zu überleben. Für den Virus und den Wirt
folgte eine lange enthaltsame Phase.
Im Verborgenen träumten beide von den Möglichkeiten, die sie verpassten. Das Leben ist ungerecht. Waren doch nun gute Voraussetzungen, finanzielle Mittel etc. vorhanden, doch da waren
diese Antikörper. Zwanzig Jahre musste sich unser Crusta infectus gedulden, bis seine Stunde schlug.
Dann aber entlud sich, als sich einige Rahmenbedingungen veränderten, geballte aufgestaute Energie. Doch unser Virus war klever genug, nicht direkt auf sein Ziel zuzusteuern.
Ehe es sich der Patient versah, plätscherten bei ihm in vielen Aquarien knapp 5000 Liter Wasser, in denen er überwiegend Labyrinther und Salmler pflegte und aufzog.
Nach ein paar Jahren des geduldigen Zusehens läutete unser hartnäckiger Virus die nächste Runde ein und kam zu seinem Ziel, denn der infizierte Patient erwarb seine ersten Garnelen. Auf
diesem Nährboden war Crusta infectus nicht mehr zu halten. Er bescherte seinem Wirt viel Freude mit den kleinen Krabblern und sorgte für eine stetige Vermehrung der Anzahl und Arten in dessen
Fischkeller.
Dann kamen ihm auch noch zwei Faktoren von außen zu Hilfe: irgendwann fand es der Patient gar nicht mehr so erquickend, sonntags um 4 Uhr in der Früh aufzustehen, um von allen guten
Geistern verlassen im Keller seine flinken Fischnachzuchten aus bepflanzten Becken heraus zu fangen, um diese anschließend auf Börsen feil zu bieten. All das, während seine Familie noch schlief bzw.
den Sommersonntag genoss. Auch machte ihm seine kaputte Wirbelsäule immer mehr zu schaffen.
Ich frage mich, wie es dieser resistente Virus geschafft haben mag die Energiepreise zu beeinflussen. Auf jeden Fall stiegen die Heizkosten für den Keller derart, dass es dem Virus
gelang, den Wirt davon zu überzeugen, die Aquarienfischzucht aufzugeben. Gleichzeitig führte er ihn behutsam in die Dunstkreise von netten und kompetenten Menschen wie Friedrich Bitter, Kai Quante,
Lutz Döhring und Gerd Voss ein. Nun konnte sich Crusta infectus so richtig austoben. Neben diversen Sorten von Garnelen und Zwergflusskrebsen tummeln sich nun in einer um 70% reduzierten Zuchtanlage
auch noch ein paar Orconectus just to please me.
Und die Moral von der Geschicht:
Für mich war es die richtige Entscheidung. Im Wohnzimmer stehen noch zwei größere Gesellschaftsaquarien, in denen uns verschieden artige Fische immer wieder erfreuen.
In meiner Anlage treiben Garnelen und kleine Krebse ihr Unwesen und vermehren sich prächtig. Vorbei sind die langen Sonntage, an denen ich Fische spazieren fuhr. Es hat sich herum
gesprochen, dass ich gute Nachzuchten von Privat an Privat abgebe und somit die Kosten für mein Hobby abdecken kann.
Von wegen: „ diese spinnenartigen Tiere sind doch eklig und langweilig“.
Wenn ich beobachten kann wie ein kleiner Cambarellus Puer sich behauptet, wenn ihm ein ausgewachsener Antennenwels auf dem Marsch zur Futtertablette im Weg liegt, ohne aggressiv
vorzugehen. Das ist besser als jeder Slapstick im Fernsehen.
Ich ziehe zurzeit nur Tiere nach, die theoretisch in einem Gesellschaftsbecken mit geeigneten Fischen vergesellschaftet werden können. Daher kann ich meine überzähligen Tiere auch mit
gutem Gewissen an „normale“ Aquarianer abgeben.
Was der künftige Besitzer jedoch nicht weiß ist, dass mit jedem Tier, das ich abgebe, auch ein Exemplar von Crusta infectus mit auf die Reise geht. Findet er dort guten Nährboden, wird er
sich ausbreiten und vermehren (und ich weiß, wie lange er warten kann).
In anderen Ländern ist er bereits viel aktiver. Doch auch bei uns steigt das Interesse an Wirbellosen unaufhaltsam.
Der Verein, in dem ich aktiv bin, veranstaltet traditionell im Frühjahr den „Norddeutschen Wirbellosentag“, der immer mehr Interessenten informiert und Wirbellose dem Aquarianer
näher bringt.
Das Interesse und die Nachfrage an Informationen sind mittlerweile so groß, dass ich für interessierte WILO-Fans im norddeutschen Raum den Norddeutschen Wirbellosen Treffpunkt NWT ins
Leben gerufen habe. In enger Anlehnung an den Arbeitskreis im VDA „Wirbellose in Binnengewässern“ habe ich vereinsübergreifend ein monatliches Treffen etabliert, bei dem sich WILO-Fans, und
solche die es werden möchten, zusammensetzen, kennen lernen und Erfahrungen austauschen können. Und das ohne Vereinsmeierei, Regularien etc..
Die ersten Treffen haben regen Zuspruch gefunden und jeweils mehr als 30 Teilnehmer konnten interessante Vorträge hören und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Neben den Vorträgen und
Informationen besteht bei unseren Treffen auch immer die Möglichkeit Tiere, Futter und Zubehör von unseren Teilnehmern in Top Qualität zu moderaten Preisen zu erwerben.
Die Teilnahme an unserer Runde ist kostenfrei und verpflichtet zu nichts.
Na, hab ich Euer Interesse geweckt? Dann schaut doch mal vorbei.
Wir treffen uns an jedem 2. Freitag im Monat ab 19:30h in der
Gaststätte am Sportplatzring 47, Hamburg-Stellingen
und freuen uns darauf, auch Euch demnächst dort kennen zu lernen.
Bei Fragen schreibt einfach eine Mail an mich: ds@dsportal.net
Alles Gute für Euch und Eure Pfleglinge!
Dietmar Schmale Hamburg
Nähere Informationen zu Wirbellosen findet Ihr im Internet unter: www.wirbellose.de
zu meinen Tieren: www.zwergflusskrebs.de
zum NWT: www.agw.zwergflusskrebs.de
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